Die „stille“ Zeit als stiller Mensch: Eine introvertierte Perspektive auf die Adventszeit

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Die „stille“ Zeit als stiller Mensch: Eine introvertierte Perspektive auf die Adventszeit

Das Wort „Besinnlichkeit“ bekommt man in der Weihnachtszeit gefühlt in dem Takt gegen den Kopf geklatscht, in dem sich Singles auf einer nicht weiter genannten Datingseite verlieben. Man hört es so oft, dass das Wort seine tatsächliche Bedeutung praktisch schon verloren hat. Denn wer erlebt in den Tagen vor Weihnachten noch tatsächlich besinnliche Stunden? Zwischen drängelnden Menschen in Einkaufszentren und Ellbogengefechten vor Glühweinständen bleibt kaum Zeit, sich tatsächlich zu „besinnen“. 

Ein Alptraum für viele stille Menschen. Doch natürlich haben wir Mittel und Wege gefunden, das Chaos zu bewältigen: Online-Shopping für den Geschenkekauf. Oder wenn lokal, dann nur mit einer vorgeplanten Liste, damit man nicht irgendwann orientierungslos und gestresst in Läden steht. Weihnachtsmärkte in kleinen Dosen und nicht Freitagabends. Doch auch die Feiertage selbst können für Viele zum Stressfaktor werden. Denn es ist zwar schön, alle seine Liebsten endlich versammelt um sich zu haben und mit ihnen gemeinsam zu feiern, doch meistens bleibt es nicht bei einem Abend mit der engsten Familie. Ab dem 24. Ist man mindestens die nächsten vier Tage verplant – für Familie, erweiterte Familie, Schwiegereltern und Freunde – und dann kommt schon Silvester. Keine Pause um mal durchzuatmen, es muss organisiert, sozialisiert und geplant werden. 

Ist es also unsozial, das alles stressig zu finden? Ist man gar ein schlechter Mensch, wenn man sich mehr Pause, mehr tatsächlich „stille Zeit“ wünscht? Natürlich nicht. Aber es kann schwer sein, das zu kommunizieren, ohne negativ dazustehen. Und eigentlich ist es ja auch wirklich schön, all die Menschen zu sehen, zu denen man das Jahr über vielleicht zu wenig Kontakt hat. Das ist das Dilemma der besinnlichen Stunden: Meistens sind sie nicht wirklich besinnlich – und das ist okay. Denn ich werde es – wie jedes Jahr – überleben und mir danach, ganz ohne schlechtes Gewissen, die Zeit nehmen um meine Batterien vollständig wieder aufzuladen.  

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