Introversion – was ist das überhaupt?

Introversion – was ist das überhaupt?

Introvertierte und Extrovertierte Persönlichkeitsmerkmale wurden zum ersten Mal durch den Psychologen Carl Gustav Jung definiert und benannt. In seinem 1921 erschienenen Buch „Psychologische Typen“ führt er die beiden Begriffe ein. In einem später veröffentlichten Aufsatz erklärt er Extroversion als gekennzeichnet durch die „Hinwendung zum äußeren Objekt“, also einen Fokus auf die Außenwelt, auf die Menschen, Dinge und Aktivitäten um uns herum. Im Gegensatz dazu sind Introvertierte auf innere Eindrücke wie Gedanken und Gefühle fokussiert. 

Heute können Forscher diese Distinktion auch begründen. Denn der Unterschied zwischen Introversion und Extroversion scheint ein neurobiologischer zu sein: Extrovertierte Menschen haben eine höhere Dopamin-Aktivität, während bei Introvertierten der prävalente Neurotransmitter eher Acetylcholin ist. 

Was genau heißt das? 

Sowohl Dopamin als auch Acetylcholin lösen Gefühle von Freude und Wohlbefinden aus und funktionieren deshalb als Teil eines Belohnungssystems. Der Unterschied ist nur, wofür die beiden Chemikalien uns belohnen. Dopamin sorgt für ein gutes Gefühl nach externen Erfolgen, wie einer Beförderung oder einem tollen Date. Acetylochin dagegen hilft uns bei Aufgaben, die Konzentration oder Selbstreflexion erfordern und belohnt uns für nach innen gerichtete Aktivitäten. Es wird also klar, warum Extrovertierte generell lieber auf eine Party statt ins Kino gehen und Introvertierte Netflix-Abende oft einem Restaurant-Besuch vorziehen.

Der Unterschied hat aber noch mehr Konsequenzen: Generell neigen extrovertierte Menschen durch die Suche nach Erlebnissen, die eine Dopamin-Ausschüttung nach sich ziehen, eher zu Risikobereitschaft und Spontanität. 

Soviel zu den wissenschaftlichen Zusammenhängen. Doch das alles heißt noch lange nicht, das es immer einfach oder auch hilfreich ist, Menschen in „Extrovertiert“ und „Introvertiert“ zu unterteilen. Denn das ganze ist kein schwarz-weißes System, sondern eher ein Spektrum, bei dem manche Menschen mehr Merkmale von Introversion aufweisen, andere eher zur extrovertierten Seite tendieren und wieder andere sich irgendwo in der Mitte befinden. Aber warum dann überhaupt einen Blog schreiben, der sich so auf diese Differenz – beziehungsweise auf die eine Seite des Spektrums – fokussiert? 

Ganz einfach: In unserer Gesellschaft werden introvertierte Verhaltensweisen oft als „sozial inkompetent“, „schüchtern“ oder „schwach“ abgestempelt, was es vielen Introvertierten schwer macht ihre Bedürfnisse klar auszudrücken oder sie sich selbst einzugestehen. 

Um es mit den Worten der Autorin Susan Cain zu sagen: „Es ist nachvollziehbar, dass viele introvertierte sich vor sich selbst verstecken. Wir leben in einem Wertesystem, das vom »ideal der Extraversion« geprägt ist, wie ich es nenne – dem allgegenwärtigen Glauben, der Idealmensch sei gesellig, ein alpha- tier und fühle sich im Rampenlicht wohl.“ 

Je mehr wir uns bewusst machen, dass introvertiertes Verhalten und Denken normal ist und sogar sehr hilfreich sein kann, desto einfacher haben es Introvertierte sich akzeptiert zu fühlen, ihre eigenen Stärken zu finden und sich ein Umfeld zu schaffen, in dem sie produktiver und glücklicher sein können. Und da wir Introvertierte, je nachdem von welcher Quelle man ausgeht, zwischen 30 und 55 Prozent unserer Gesellschaft ausmachen, ist das durchaus kein Nischenanliegen. 

Bin ich introvertiert?

Wenn du dich an einigen Stellen dieses Artikels wiederfindest und jetzt genauer wissen möchtest, ob auch du Introvertiert bist, sind hier zwei Tests, die du machen könntest:

https://www.intros-extros.com/online-test/

https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/test-wie-introvertiert-sind-sie

 

 

Quellen: 

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