Selbstbewusst „Nein“ sagen – ohne Schuldgefühle 

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Selbstbewusst „Nein“ sagen – ohne Schuldgefühle 

Es ist schön gebraucht zu werden und es ist schön, wenn Andere an einen denken. Doch für solche Bestätigung sollte man nicht in alles einwilligen – wieso es schwer sein kann, einfach mal „Nein“ zu sagen und warum es aber so wichtig ist. 

Würdest du gerne öfter einfach „Nein“ sagen, tust es aber nicht? „Nein, sorry, ich kann leider keine drei Nachspeisen auf die Party mitbringen“, „Nein, morgen möchte ich nicht Essen gehen, ich brauche Zeit für mich.“, „Nein, tut mir leid, ich kann dir diese Aufgabe zurzeit leider nicht abnehmen, ich muss zuerst meine Sachen fertig bekommen.“ 

Wenn du jetzt „Ja, unbedingt!“ geantwortet hast, wäre die nächste logische Frage: „Wie ist das machbar?“ Doch um zu wissen, wie du diesen ständigen Ja-Sager in deinem Kopf zum Schweigen bringst, musst du dir zuerst im klaren darüber sein, warum er überhaupt existiert. 

Warum sage ich Ja, wenn ich Nein meine?

  • Vor allem für Frauen hat das ständige Bedürfnis, anderen zu helfen, mit der Erziehung zu tun. Natürlich ist es keinesfalls etwas schlechtes, helfen zu wollen. Doch wenn dieses Streben allein aus Pflichtbewusstsein oder einer Angst, nicht mehr akzeptiert zu werden entsteht und man sich dadurch selbst vernachlässigt um jemand anderem das Leben leichter zu machen, ist das nicht der richtige Weg.
  • Auch Menschen mit viel Empathie, tendieren dazu, Anderen mehr zu helfen, als für sie selbst gesund oder angenehm ist. Schließlich will man ja nicht, dass es dem Gegenüber schlecht geht! Diese Menschen vergessen in solchen Momenten vor lauter Mitgefühl, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen. Es ist schön, Andere zu unterstützen. Es ist nicht okay, sich dafür selbst komplett aufzuopfern. 
  • Oftmals ist es schlicht einfacher „Ja“ zu sagen – und damit einer Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen. In manchen Situationen mag diese Einstellung sinnvoll sein, denn nicht immer ist ein Konflikt es wert, ausgetragen zu werden. Doch eine Konfrontation nur deshalb zu vermeiden, weil du Angst vor Konflikten hast, ist keine Lösung. 
  • Die Angst, nicht dabei zu sein treibt ebenfalls viele Menschen dazu, „Ja“ zu sagen, wenn sie eigentlich überhaupt keine Lust oder Zeit haben. Denn was, wenn dieser eine Geburtstag der ist, an den man sich noch Jahre erinnert? Oder was, wenn man diesen einen Gefallen ausschlägt und es dadurch verpasst, sich richtig in die Gruppe zu integrieren? In diesen Situationen ist es hilfreich zu reflektieren, was dir tatsächlich wichtig ist, Spaß macht oder dich weiter bringt. Zu allem anderen kannst du dann getrost auch mal „Nein“ sagen. 
  • Viele Menschen nehmen es als ein Kompliment, um einen Gefallen gebeten zu werden. Schließlich signalisiert so eine Bitte, dass man gebraucht wird und wer hat nicht gerne das Gefühl, für jemanden wichtig zu sein? Allerdings solltest du in solchen Moment darüber nachdenken, wofür du hier tatsächlich gebraucht wirst und ob du so wahrgenommen werden willst. 
  • Oft traut man sich nicht, Unterstützung abzulehnen um nicht als Egoist oder unsozial wahrgenommen zu werden. Das macht Sinn, wenn es beispielsweise um ein Gruppenprojekt geht, bei dem Jeder seinen Teil beitragen muss. Doch wenn man um etwas nicht selbstverständliches gebeten wird, das die eigenen Kapazitäten weit übersteigt, für das man keine Zeit hat, oder an dem man eigentlich gar kein Interesse hätte, ist es nicht herzlos abzulehnen. 

Tschüss Ja-Sager, hallo Selbstbewusstsein 

Wenn du identifiziert hast, was genau dich dazu treibt öfter „Ja“ zu sagen als du eigentlich möchtest (Oftmals sind es auch viele Faktoren, die zusammen spielen), kannst du anfangen zu versuchen, das zu verändern. Meistens weißt du selber genau, in welchen Situationen du ablehnen willst oder solltest, du tust es nur nicht. Wenn du das nächste mal vor so einer Entscheidung stehst überlege zuerst, warum du eigentlich nicht möchtest und was dich jetzt dazu bewegen würde „Ja“ zu sagen. Sind die Gründe wirklich gut genug? 

– Bedenkzeit

Wenn du dir im ersten Moment nicht sicher bist, was du wirklich möchtest, bitte um Bedenkzeit. Vor allem vielen Introvertierten fällt es schwer, spontane Entscheidungen zu treffen. Sie sind sich lieber sicher, alle Variablen bedacht zu haben, bevor sie sich endgültig entscheiden. Ein kurzes „Ich weiß noch nicht ob das klappt, ich gebe dir später Bescheid.“ Oder „Lass mich nochmal kurz meinen Terminkalender checken.“ Sind nicht unhöflich und stellen in vielen Fällen sicher, dass du dich nicht unter Druck für etwas entscheidest, das du eigentlich gar nicht wolltest. 

– Kenne deine Bedürfnisse

Wenn du weißt, was du wirklich willst, macht es das einfacher, „Nein“ zu dem zu sagen, was du nicht wirklich willst. Klingt einfach, oder? Natürlich ist es in der Realität nicht ganz so simpel wie es sich anhört, denn es kann viel Zeit kosten, sich seiner eigenen Wünsche wirklich bewusst zu werden. Doch sobald du deine Prioritäten kennst, wird es dir viel leichter fallen, selektiver in deinen Entscheidungen vorzugehen.

– Mache dir klar, was ein „Ja“ tatsächlich bedeutet

Ein „Ja“ zu einer Situation, kann ein „Nein“ für viele andere bedeuten. Wenn du zusagst, deiner Kollegin ein Teil ihres Projekts abzunehmen, kann das bedeuten, dass du weniger Zeit für deine eigenen Aufgaben hast. Wenn du zusagst, mit Bekannten auf ein Konzert zu gehen, bedeutet das eventuell auf einen Abend mit dem Partner oder ein Essen mit engen Freunden zu verzichten. Jedes „Ja“ hat seinen eigenen kleinen (oder großen) Preis und du solltest dir immer bewusst sein, gegen was du dich durch eine Zusage entscheidest. So kannst du abwägen, ob es das für dich wert ist. 

– Verabschiede dich von falschen Freunden

Wenn du zu nichts „Nein“ sagen willst, weil du Angst hast dann allein gelassen oder nicht mehr beachtet zu werden, solltest du die Menschen in deiner Umgebung unter die Lupe nehmen. Mache dir bewusst, dass du es nicht wert bist, nur für deine Gefälligkeiten gemocht zu werden und lass diejenigen die das tun, konsequent auflaufen. Das mag zunächst schwierig sein, aber du brauchst niemanden in deinem Leben, der dich nur ausnutzt.

– Ein „Nein“ muss kein Affront sein

Wenn du dich mit der richtigen Art von Menschen umgibst, ist ein „Nein“ kein Weltuntergang und es macht dich nicht zu einer unhöflichen Person. Trotzdem kommt man sich bei einer harten Absage manchmal vor, wie der schlechteste Mensch der Welt. Doch ein „Nein“ muss nicht hart sein! Lerne, eine Absage möglichst freundlich zu formulieren und dem Gegenüber klar zu machen, warum du leider „Nein“ sagen musst. („Ich schaffe es leider nicht zu deiner Gartenparty, ich hatte die ganze Woche Stress und brauche mal einen Abend nur für mich.“) Die meisten Menschen werden dich verstehen, wenn du ihnen deine Gründe darlegst. Manchmal kann es gut sein, Alternativen anzubieten, die besser für dich sind. („Hast du Lust stattdessen nächste Woche mal zu zweit ein Glas Wein trinken zu gehen?“) 

Vielleicht lieber doch nicht 

Wie oft man „Ja“ zu einer Person sagt hat nichts damit zu tun, wie sehr man sie schätzt. Genauso wie ein „Nein“ nichts persönliches sein muss. Stattdessen sind diese beiden Worte ein Indikator für Selbstbewusstsein, Selbstliebe und Prioritäten. Hoffentlich konntest du aus diesem Artikel etwas mitnehmen und wirst vor deinem nächsten „Klar, das mache ich!“ Erstmal kurz innehalten und nachdenken – „will ich das überhaupt?“

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